13 Februar
2019

Verhandeln ist besser als prozessieren

Veröffentlich unter Mediation

von Martin Zwahlen, Rechtsanwalt und Mediator Bern

Der Niederscherler Martin Zwahlen betreibt in Bern eine Kanzlei als Mediator und Anwalt. Er erzählt was Mediation ist und warum er diese Methode wenn immer möglich anwenden und einem Prozess vor Gericht vorziehen wird.

„Wer einen aggressiven Anwalt sucht ist bei mir falsch“, fasst der Anwalt und Mediator Martin Zwahlen sein Berufsverständnis zusammen. Fünfzehn Jahre hatte er nach dem Studium der Jurisprudenz und nach dem Fürsprecherpatent im Bundesamt für Flüchtlinge gearbeitet. Oft musste er schwierige Verhandlungen mit Standortgemeinden für Notunterkünfte führen. Ende der 90-er Jahre wurde er das erste Mal mit dem Thema Mediation konfrontiert und wurde davon überzeugt. Der Anwalt machte entsprechende Ausbildungen und beschloss sich als Mediator selbständig zu machen.

Reine Mediationsaufträge waren selten und so arbeitete er zusätzlich als Anwalt, als mediativer Anwalt der versucht Gerichtsentscheide zu vermeiden, wie er betont. Der grösste Teil seiner Arbeit sei ein Gemisch. „Ich bekomme beispielsweise von einer Partei einen Auftrag als Anwalt, erreiche aber oft, der anderen Partei den Vorschlag für eine gemeinsame Sitzung machen zu können“, so der 57-Jährige. Wenn er aber gleich zu Beginn als Mediator im Einsatz stehe, könne er nicht danach als Anwalt für eine Partei gegen die andere arbeiten.

Verhandeln vor Ort statt vor Gericht

Die meisten Auftraggeber seien Privatpersonen, aber auch Firmen und Organisationen. Bei der Kündigung eines Arbeitnehmers, der dieser als ungerechtfertigt ansieht, schaut  Mediator Zwahlen erst, ob noch etwas zu retten sei. Wenn nicht, versuche er eine einvernehmliche Trennung mit beiden Parteien zu erarbeiten. „Für die Betroffenen ist es etwas anderes, ob eine Kündigung einfach hingeknallt oder ob darüber verhandelt wird.“ Nach einer solchen mediativen Verhandlung sei es auch noch nie zu einer Gerichtsverhandlung gekommen.

Oft gehe es auch um Nachbarschaftskonflikte, bei denen gar keine Gerichtsverhandlung machbar wäre. Er gehe jeweils mit den Leuten vor Ort. „Oft ist der Anlass irgend ein  Baum, aber im Hintergrund steht meistens ein zwischenmenschlicher Konflikt“, weiss der erfahrene Mediator.

Martin Zwahlen, was genau ist Mediation?

Eine Methode bei der durch das Gespräch unter Leitung einer neutralen Drittperson versucht wird eine Lösung zu finden, die für beide Parteien fair ist. Ganz wichtig ist, der Inhalt der Mediation bleibt in jedem Fall vertraulich.

Was muss ein guter Mediator mitbringen?

Er muss gut zuhören können. Mit der Erfahrung lernt man zu hören, was nicht gesagt wird. Das wichtigste Instrument ist das in die Zukunft gerichtete Fragenstellen. Was muss sich verändern, damit die Situation besser wird? Das ist der grosse Unterschied zum Gericht, das vor allem in die Vergangenheit schaut. Der Mediator macht keine eigenen Vorschläge, die Lösung liegt bei den Parteien.

Wer eignet sich für die Mediationmethode?

Jemand der bereit ist, die eigene Position zu überdenken. Parteien, die mindestens ein gemeinsames Interesse haben. Das gemeinsame Kind, Geschäftsbeziehungen oder sie wollen vermeiden, dass der Fall an die Öffentlichkeit kommt.

Wer eignet sich eher nicht?

Ein zu grosses Machtgefälle könnte dagegen sprechen. Das muss aber nicht, wenn der Mächtigere bereit ist zu verhandeln. Dabei hilft oft, wenn man sich überlegt: was wäre sonst? Zudem kann mit der Mediation der Aufwand minimiert und Zeit und Kosten eingespart werden.

Was kostet eine Mediation?

Es gibt keinen offiziellen Tarif. Die Stunde kostet zwischen Fr. 150.—und 200.–.

Im Durchschnitt benötigt eine Mediation fünf Stunden. In der Regel übernehmen die Rechtsschutzversicherungen diese Kosten. Es gibt auch die Möglichkeit bei Gericht unentgeltliche Rechtspflege zu beantragen.

Was ist der Vorteil einer Mediation gegenüber dem Gerichtsverfahren?

Die Parteien können ihre Lösung selber suchen, sie haben die Freiheit wie sie den Konflikt lösen wollen. Niemand schreibt etwas vor. Es ermöglicht die Beziehung zur anderen Partei zu erhalten und ist kostengünstiger und schneller.

(Quelle: Könizer-Zeitung Oktober 2014)