07 Februar
2019

Externe Hilfe beiziehen statt Konflikte totschweigen

Veröffentlich unter Mediation

von Martin Zwahlen, Rechtsanwalt und Mediator, Bern

Mediation, die andere Art Konflikte zu lösen

Nach meiner Erfahrung werden viele Probleme ausgesessen. Die Direktbetroffenen beginnen sich zu schikanieren, die Vorgesetzten schauen weg, weil ihnen Fachwissen und Mut zum Eingreifen fehlen. Am Ende bleibt oft nur ein Gang vors Gericht, der alle zu Verlierern macht. Mediatoren bieten eine Möglichkeit an, dies zu ändern: Sie begleiten Zerstrittene auf der Suche nach konstruktiven Lösungen.

«Wenn jemand ein Problem erkannt hat und nichts zur Lösung beiträgt, wird er selbst ein Teil des Problems.»Dieses indianische Sprichwort habe ich nicht zufällig an die Wand meines Büros geklebt. Nachdem ich 17 Jahre in der Bundesverwaltung gearbeitet habe, weiss ich, dass es um die Konfliktkultur in Verwaltung und Privatwirtschaft hierzulande schlecht bestellt ist.  Wer ein Problem beobachtet, hofft, dass niemand es bemerkt – und irgendwann künden die Betroffenen oder werden pensioniert. Die Folgen sind bekannt: Erst verschlechtert sich das Klima, später werden Mitarbeiter krank, die Abwesenheiten häufen sich.

Angst vor Imageverlust

An sich, wäre es am Management, solche Spannungen frühzeitig zu registrieren und Gegenmassnahmen einzuleiten. Gerade die Führungskräfte versagen aber in dieser Beziehung oft: Die meisten Vorgesetzten haben eine hohe Hemmschwelle, sich einzugestehen, dass tatsächlich ein Problem besteht, weil das sofort Komplikation und Mehraufwand bedeutet. Wenn ein Chef etwas unternimmt, versucht er, die Sache selber zu lösen. Den Mut, externe Hilfe beizuziehen, bringen die wenigsten auf, weil sie Angst haben, man könnte auf Führungsschwäche schliessen; dabei wäre es gerade ein Zeichen von Stärke, rechtzeitig Spezialisten beizuziehen. Die Vorgesetzen selbst, sind meistens nicht als Vermittler geeignet, weil sie selbst involviert und damit nicht neutral sind. Dies ist jedoch eine entscheidende Voraussetzung, damit eine Mediation Erfolg haben kann. Zudem haben die Angestellten oft Angst, einem Vorgesetzten gegenüber alle Dinge offen auf den Tisch zu legen, da sie befürchten, dass ihnen daraus später Nachteile entstehen könnten. In der Garantie der Vertraulichkeit liegt ein Hauptvorteil eines externen Mediators.

Keinesfalls entwickelt er selber die Lösung oder fällt gar ein Urteil, auch wenn die Parteien darauf drängen, Recht zu bekommen. Es gibt ganz wenig Leute, die glücklich aus dem Gerichtssaal kommen,  und deshalb hat Mediation viele Vorteile  gegenüber einer gerichtlichen Auseinandersetzung: So werde die Beziehung zur Gegenpartei durch Mediation gefestigt statt zerstört, das Verfahren ist kürzer, berechenbarer und billiger als vor Gericht.  Allerdings ist auch Mediation kein Wundermittel. Gewisse Fälle sind «nicht mediationsfähig»,  so etwa, wenn kein Handlungsspielraum besteht, kein gemeinsames Interesse auszumachen oder eine Konfliktpartei der anderen in allen Belangen deutlich überlegen ist.

Offenheit statt Hass, Zukunft statt Vergangenheit

Grossen Wert legt der Mediator darauf, gleich zu Beginn einer Mediation die Spielregeln festzulegen. An sich selber erhebt er den Anspruch, neutraler Schiedsrichter zu sein, der ein konstruktives Gespräch in Gang bringt und hält. Wichtigste Merkpunkte für die Konfliktparteien sind, dass sie bereit sein müssen, einander mit Offenheit zu begegnen und also «über den eigenen Schatten zu springen». Ferner ist es wichtig, dass jeder von sich redet, statt Vorwürfe an den anderen machen: Die Aussage «Ich leide darunter» führt weiter als «Du hast mich kaputtgemacht». Zudem müssen sie sich gegenseitig versichern, alle Informationen, die sie während der Mediation erhalten, vertraulich zu behandeln und nicht an Dritte weiterzugeben.(Dies gilt selbstverständlich auch für den Mediator). Nur in einem solchen Gesprächsklima ist es möglich, an die Hintergründe eines Konflikts zu kommen. Menschen sind wie Eisberge (Bild), der grösste Teil ist nicht sichtbar. Für die Lösung des Konfliktes ist es aber unumgänglich auch über die Teile unter Wasser wie z.B. Vertrauen, Befürchtungen, Anerkennung  zu reden. Blickrichtung ist dabei nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Es geht also nicht um die Klärung des Verschuldens, sondern um folgende zentrale Frage: „ Was müsste sich für sie ändern, damit es Ihnen besser geht ?“Auf dieser Basis sind dann oft Lösungen möglich, die keine Verlierer sondern zwei Gewinner ermöglichen.

Anwendungsgebiete

Nebst Konflikten mit oder unter Angestellten kann Mediation auch bei anderen Konflikten sinnvoll sein, wenn man die Beziehung zur Gegenpartei nicht gefährden will oder kann: mit Geschäftspartnern, Kunden, Lieferanten, Banken, Versicherungen, Vermietern/Mietern, Miterben, Nachbarn, Familienangehörigen. Mediation kann aber auch  deshalb gewählt werden, um Kosten und Zeit zu sparen, die Führungskräfte in der Regel für andere Dinge, als für die Vergangenheitsbewältigung einsetzen sollten.

Währenddem Mediation in der Schweizer Wirtschaft noch wenig eingesetzt wird, geht in den USA kaum noch jemand vor Gericht, ohne vorher eine Mediation versucht zu haben. Ich bin überzeugt, dass sich diese Methode auch hierzulande durchsetzen wird. Sehr verbreitet ist sie auch hier im Familienbereich. Die Kosten werden nach Stundenaufwand berechnet und hängen von der Komplexität und der Verhandlungsbereitschaft der Parteien ab. Der  Durchschnitt liegt  jedoch bei rund  Fr. 1500.- pro Fall, die Erfolgsquote bei über 70 %.

Weitere Informationen finden Sie unter www.infomediation.ch und www.mz-mediation.ch